In der heutigen Zeit, in der wir immer bewusster mit unserer Gesundheit und der Umwelt umgehen, rückt auch die Zusammensetzung unserer Kosmetikprodukte verstärkt in den Fokus. Es ist nicht immer einfach, die oft komplexen Inhaltsstofflisten zu entschlüsseln. Doch keine Sorge: Dieser Artikel zeigt Ihnen, wie Sie online die Inhaltsstoffe von Kosmetikprodukten prüfen können, um potenziell schädliche oder unerwünschte Substanzen zu erkennen und somit sicherere Kaufentscheidungen zu treffen.
So prüfen Sie Kosmetik-Inhaltsstoffe online mit den richtigen Tools
- Nutzen Sie Apps wie CodeCheck oder ToxFox, um Produkte per Barcode-Scan sofort zu analysieren.
- Die INCI-Liste auf der Verpackung ordnet die Inhaltsstoffe nach absteigender Konzentration.
- Achten Sie besonders auf kritische Stoffgruppen wie Parabene, Silikone, Mineralöle und Mikroplastik.
- Das Verstehen der Inhaltsstoffliste hilft Ihnen, für Sie persönlich ungeeignete oder allergene Substanzen zu meiden.
Warum ein Blick auf die Inhaltsstoffe Ihrer Kosmetik lohnt
Als Expertin für bewusste Kosmetik kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass der Blick auf die Inhaltsstoffe Ihrer Kosmetikprodukte entscheidend ist. Hinter den kryptischen INCI-Listen verbergen sich potenzielle Risiken, die von leichten Hautirritationen bis hin zu ernsthaften Allergien reichen können oft ausgelöst durch bestimmte Duftstoffe. Darüber hinaus tragen einige Inhaltsstoffe wie Mikroplastik oder bestimmte Silikone erheblich zur Umweltbelastung bei, da sie biologisch schwer abbaubar sind und in unsere Ökosysteme gelangen. Der wachsende Trend zu "Clean Beauty" zeigt deutlich, wie sehr sich das Bewusstsein der Verbraucher gewandelt hat und wie bewusste Kaufentscheidungen den Markt und die Produktentwicklung positiv beeinflussen können. Es geht darum, informierte Entscheidungen für die eigene Gesundheit und die Umwelt zu treffen.
Die INCI-Liste verstehen und Inhaltsstoffe richtig deuten
Um die Inhaltsstoffe Ihrer Kosmetikprodukte richtig bewerten zu können, ist es unerlässlich, die Grundlagen der INCI-Liste zu verstehen. INCI steht für "Internationale Nomenklatur für kosmetische Inhaltsstoffe" und ist eine weltweit standardisierte Deklarationspflicht, die in der EU gesetzlich vorgeschrieben ist. Diese Liste ist Ihr erster Anhaltspunkt, um Transparenz über die Zusammensetzung eines Produkts zu erhalten.
Die wichtigste Regel beim Lesen der INCI-Liste ist die Reihenfolge der Auflistung: Die Inhaltsstoffe werden in absteigender Reihenfolge ihrer Konzentration aufgeführt. Das bedeutet, der Stoff, von dem am meisten im Produkt enthalten ist, steht an erster Stelle, und die Mengen nehmen nach hinten hin ab. Eine Ausnahme bilden Inhaltsstoffe mit einer Konzentration unter 1 %; diese können in beliebiger Reihenfolge am Ende der Liste stehen. Farbstoffe werden zudem mit sogenannten CI-Nummern (Colour Index) gekennzeichnet, wie beispielsweise "CI 77891" für Titandioxid.
Hinsichtlich der Sprache ist die INCI-Liste oft eine Mischung aus Latein und Englisch. Gerade pflanzliche Stoffe werden häufig mit ihren lateinischen Bezeichnungen deklariert ein gutes Beispiel hierfür ist "Prunus Amygdalus Dulcis Oil", was schlicht Mandelöl bedeutet. Es erfordert anfangs etwas Übung, diese Bezeichnungen zu entschlüsseln, aber mit den richtigen Tools wird es schnell zur Routine.

Die besten Apps und Webseiten zum Prüfen von Inhaltsstoffen
Glücklicherweise müssen Sie die komplizierten INCI-Listen nicht alleine studieren. Es gibt eine Reihe hervorragender digitaler Helfer, die Ihnen die Arbeit abnehmen und die Inhaltsstoffe verständlich aufbereiten. Hier stelle ich Ihnen die vier bekanntesten und nützlichsten Tools vor:
| Tool | Fokus | Vorteile | Besonderheiten/Schwächen |
|---|---|---|---|
| CodeCheck | Bewertung basierend auf Expertenmeinungen (BUND, Greenpeace, Verbraucherzentrale) | Breite Produktdatenbank, einfache Barcode-Scan-Funktion, übersichtliche Ampelsystem-Bewertung | Gelegentlich veraltete Produktdaten, Bewertung kann als zu streng empfunden werden |
| ToxFox (BUND e. V.) | Hormonell wirksame Chemikalien und Nanopartikel | Wissenschaftlich fundiert und vertrauenswürdig, klare Fokussierung auf kritische Stoffe | Potenziell weniger umfangreiche Produktdatenbank als kommerzielle Apps |
| Hautschutzengel | Hautverträglichkeit, Allergien, Inhaltsstoffanalyse | Detaillierte Bewertung nach "gut", "durchschnittlich", "schlecht", manuelle INCI-Eingabe möglich | Spezialisiert auf Hautverträglichkeit, weniger Fokus auf Umweltaspekte |
| INCI Beauty | Herkunft (natürlich/synthetisch) und potenzielle Risiken von Inhaltsstoffen | Gesamtbewertung des Produkts auf einer Skala von 0 bis 20, detaillierte Erklärungen | Populär, aber die Bewertungsskala erfordert eine gewisse Einarbeitung |

Auf diese kritischen Inhaltsstoffe sollten Sie achten
Wenn Sie die INCI-Liste selbst prüfen oder die Ergebnisse einer App interpretieren, gibt es einige Inhaltsstoff-Gruppen, die immer wieder als kritisch diskutiert werden. Hier eine Übersicht, auf die ich persönlich immer ein besonderes Augenmerk lege:
- Parabene: Diese werden als Konservierungsmittel eingesetzt, um die Haltbarkeit von Produkten zu gewährleisten. Sie stehen jedoch im Verdacht, hormonell wirksam zu sein und den Hormonhaushalt zu beeinflussen. Beispiele sind Methylparaben oder Propylparaben. Viele Hersteller werben daher inzwischen bewusst mit "parabenfrei".
- Silikone: Sie sorgen für ein geschmeidiges Haut- und Haargefühl und sind in vielen Shampoos, Conditionern und Cremes zu finden. Allerdings sind sie biologisch schwer abbaubar und können bei manchen Hauttypen einen Okklusionseffekt erzeugen, also die Haut abdichten. Achten Sie auf Bezeichnungen wie Dimethicone oder Cyclopentasiloxane.
- Mineralöle: Diese sind eine günstige Basiszutat, die ebenfalls einen abdichtenden Film auf der Haut bilden kann. Sie stammen aus Erdöl und sind, ähnlich wie Silikone, nicht biologisch abbaubar. Beispiele sind Paraffinum Liquidum oder Cera Microcristallina.
- Mikroplastik: Feste Kunststoffpartikel, die oft als Peelingkörper in Duschgels oder als Füllstoffe in Cremes verwendet werden. Sie stellen ein enormes Umweltproblem dar, da sie über das Abwasser in die Natur gelangen und dort nicht abgebaut werden. Der Druck auf die Hersteller, darauf zu verzichten, ist glücklicherweise groß.
- Duftstoffe/Parfum: Dies ist einer der häufigsten Auslöser für Kontaktallergien. Hinter dem Sammelbegriff "Parfum" können sich unzählige einzelne Substanzen verbergen, was die Identifikation für Allergiker erschwert. Nur 26 als besonders allergen geltende Duftstoffe müssen einzeln deklariert werden, wie zum Beispiel Linalool, Limonene oder Geraniol.
- Sulfate: Hierbei handelt es sich um Tenside mit einer starken Reinigungswirkung, die in vielen Shampoos und Duschgels zu finden sind. Allerdings können sie die Haut austrocknen und reizen, insbesondere bei empfindlicher Haut. Bekannte Beispiele sind Sodium Laureth Sulfate (SLES) und Sodium Lauryl Sulfate (SLS).
- Chemische UV-Filter: Einige dieser Filter, wie Oxybenzon oder Octocrylene, stehen im Verdacht, hormonell wirksam zu sein oder Allergien auszulösen. Zudem gibt es zunehmend Umweltbedenken bezüglich ihrer Auswirkungen auf Korallenriffe und Meereslebewesen.
Hinter dem Begriff 'Parfum' können sich Dutzende einzelne Substanzen verbergen für Allergiker eine echte Blackbox, da nur 26 als besonders allergen geltende Duftstoffe einzeln deklariert werden müssen.
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Was bedeutet eine rote Warnung in der App wirklich?
Wenn eine App eine "rote" Warnung für einen Inhaltsstoff anzeigt, ist das zunächst ein wichtiger Hinweis, aber kein Grund zur Panik. Ich empfehle Ihnen, die Warnungen differenziert zu betrachten und nicht blind jeder roten Markierung zu folgen. Hier sind drei Schritte, wie Sie mit solchen Hinweisen umgehen können:
- Individuelle Relevanz prüfen: Überlegen Sie, ob der kritisierte Inhaltsstoff für Sie persönlich relevant ist. Ein Allergen ist beispielsweise nur dann problematisch, wenn Sie tatsächlich eine Allergie dagegen haben. Ein hormonell wirksamer Stoff mag für Schwangere oder Kleinkinder bedenklicher sein als für andere Personengruppen. Die App kann nur allgemeine Risikobewertungen geben, Ihre persönliche Situation ist entscheidend.
- Die Begründung verstehen: Die meisten Apps bieten eine Erklärung, warum ein Inhaltsstoff als kritisch eingestuft wird. Lesen Sie diese Begründung sorgfältig durch. Ist es ein Umweltaspekt, eine potenzielle Gesundheitsgefahr oder eine Frage der Hautverträglichkeit? Das hilft Ihnen, die Priorität der Warnung für Ihre Kaufentscheidung einzuschätzen.
- Manuelle Recherche bei Unsicherheit: Findet eine App einen Inhaltsstoff nicht oder sind Sie sich bei einer Warnung unsicher, nutzen Sie die gute alte Suchmaschine. Geben Sie den Namen des Inhaltsstoffs zusammen mit Begriffen wie "Wirkung", "Risiko" oder "Studie" bei Google ein. So können Sie sich schnell eine eigene, fundierte Meinung bilden und sind nicht ausschließlich von der App-Bewertung abhängig.
